Rezension Schweizer Radio DRS vom 20.11.11.
«... eine äusserst umfassende (und ergreifende) Dokumentation ...»
Peter Gysling, Moskau, Korrespondent SRF
Der Schweizer Buchhandel hat dem Lenos Verlag Basel die Auszeichnung «Verlag des Jahres» verliehen. Im Lenos Verlag sind auch meine Bücher erschienen «Als mein Kind geboren wurde, war ich sehr traurig» (über den Chemiewaffeneinsatz im Vietnamkrieg) und «Tschernobyl für immer». Der Preis wurde nicht für diese Werke verliehen. Aber dass man mit ihnen im richtigen Verlag ist, tut natürlich gut.
Sumatra-Orang-Utan. Mutter mit Kind. Foto © Peter Jaeggi.
Der Tripa Sumpfmoorwald in Aceh brennt – und unzählige Orang-Utans sterben.
Palmöl
Indonesien zerstört Lebensraum
des Sumatra-Orang-Utans
Stand: 19. April 2012
Indonesien ist drauf und dran, einem der letzten wichtigen Lebensräume des Sumatra-Orang-Utans den Todesstoss zu versetzen.
«Wir sind eben über das Gebiet geflogen und haben den Todeskampf der Orang-Utans gesehen. Tripa brennt!» Der weltbekannte Orang-Utan-Forscher Ian Singleton ist entsetzt darüber, was dieser Tage auf Sumatra abläuft. Im Westen der Provinz Aceh wird derzeit im Herzen des 60 000 Hektar grossen Tripa-Torfsumpfwaldes gerodet. Tripa ist ein Schutzgebiet und laut der Uno-Umweltschutzorganisation UNEP einer der Biodiversitäts-Hotspots unseres Planeten. Das heisst: dort gibt es besonders viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Für den stark bedrohten Sumatra-Orang-Utan ist Tripa der letzte zusammenhängende Lebensraum dieser Art. Ian Singleton: «Wenn die Vernichtung des Waldes in diesem Tempo fortschreitet, wird es dort Ende dieses Jahres keine Menschenaffen mehr geben.»
Im Moment holzt und brennt die Palmölfirma PT Kallista Alam im Tripa eine 1600 Hektar grosse Fläche ab. Die Bewilligung dazu gab der Gouverneur von Aceh. Der gleiche Gouverneur, der zuvor für ganz Aceh ein Rodungs-Moratorium aussprach. Ein Moratorium für ganz Indonesien sprach auch Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono aus. Laut verschiedenen Quellen übte PT Kallista Alam grossen Druck aus auf die Entscheidungsträger in Aceh und in Jakarta.
Die Tripamoor-Zerstörung setzt enorme Mengen an CO2 frei, was gegen internationale Abkommen verstösst, die Indonesien unterschrieben hat. Dies mit dem Versprechen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Rodung verstösst auch gegen internationale Moratoriums-Vereinbarungen, während zwei Jahren keine Holzkonzessionen in Torfmoorwäldern und in unberührten Wäldern zu vergeben.
Indonesiens Umweltforum WALHI und die betroffenen Menschen im Tripa-Gebiet haben den Gouverneur und das Palmölunternehmen Kallista in Aceh eingeklagt. Für die Bevölkerung rund um Tripa ist der Wald das wichtigste Trinkwasserreservoir. Das Gericht in Aceh trat mit höchst fadenscheiunigen Begründungen nicht auf den Fall ein. Es sei dafür nicht zuständig. Jetzt wird der Fall ans oberste Gericht weitergezogen. Derweil brennt Tripa weiter. Orang-Utans sterben udn sind am Verhungern. Erste Rettungsaktionen sind angelaufen.
Die Schweizer Umweltschutzorganisation PanEco engagiert sich seit Jahrzehnten für den Sumatra-Orang-Utan. Mit ihrer Partnerorganisation vor Ort betreut sie im Auftrag des indonesischen Staates ein Orang- Utan-Schutzprogramm. PanEco-Präsidentin Regina Frey ist über die Zerstörung im Tripa-Gebiet schockiert und sagt: «Wir kämpfen seit sechs Jahren für Tripa. Es ist ein Gebiet, das zur Erhaltung des Sumatra-Orang-Utans von grösster Wichtigkeit ist.» Gleich sieht es auch der weltweit prominenteste Orang-Utan-Forscher Carel van Schaik. Der Direktor des anthropologischen Institutes der Universität Zürich leitete ein Forschungsteam, das im Tripa-Torfsumpfwald erstmals nachwies, dass die Orang-Utans Werkzeuge verwenden. «Diese Primaten dort sind sehr begabt und haben unglaubliche Fähigkeiten entwickelt. Wenn dieser Wald nun auch noch vernichtet wird, verschwindet ein wertvolles Stück Leben.»
Die Kläger gegen den Staat und die Palmölfirma sagen, das Gerichtsurteil sei wegweisend für den zukünftigen Schutz der Regenwälder des Landes. Es werde zeigen, wie ernst dem Staat der Schutz der letzten Regenwälder und von Gebieten mit stark gefährdeten Arten sei. Regina Frey: «Das Urteil wird zu einem Präzedenzfall. Wenn jetzt erlaubt wird, die 1600 Hektaren zu roden, bedeutet dies das Todesurteil für den restlichen Tripa-Wald.»
Eine Art zweiter Tsunami in Aceh
Aceh wurde 2004 vom Tsunami am schlimmsten heimgesucht. Allein in dieser nördlichsten Provinz von Sumatra starben weit über 200 000 Menschen. Der Tsunami beendete auch einen Jahrzehnte langen, blutigen Unabhängigkeitskampf. Die nachfolgende politische und wirtschaftliche Öffnung brachte Acehs Wälder unter enormen Druck. Unzählige Palmölfirmen begannen, Regenwälder zu roden, um Plantagen anzulegen. Darunter auch im Tripa-Torfsumpfwald, wo 1990 noch um die 1000 Orang-Utans lebten. Mit der Abholzung der Wälder ist in Aceh nach dem Tsunami eine weitere Naturkatastrophe über Land hereingebrochen. Allerdings eine, vom Menschen gemachte. Zwischen 1985 und 2007 wurde in Sumatra fast die Hälfte der Wälder vernichtet.
Bild unten: Im Tripawald werden jetzt Orang-Utans gerettet. Dieses männliche Tier fand man halb verhungert. Foto
PanEco.
Die Sydney Harbour Bridge wurde am 19. März 2012 achtzig Jahre alt. – Am 19. März 1932 wurde der 1149 Meter lange «Kleiderbügel» eingeweiht. Man kann die eiserne Touristenattraktion nicht nur zu Fuss oder mit dem Auto überqueren, für Schwindelfreie gibt es auch Klettertouren. Angeboten wird ein «Spaziergang» zuoberst über einen der Brückenbogen. Fotos © Peter Jaeggi.
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Photos © by Peter Jaeggi
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